Warum werden Weichbacken ausgedreht?
Harte Standardbacken spannen auf Linien- oder Punktkontakt und übernehmen jede Ungenauigkeit der Backenführung. Die ausgedrehte Weichbacke umschließt das Werkstück dagegen formschlüssig auf dem exakten Durchmesser — deshalb ist sie das Mittel der Wahl für zweite Aufspannungen, dünnwandige Teile und alles, was ohne Spannmarken wieder aus dem Futter kommen soll.
Vorbereitung: Spannring und Vorspannung
Für die Außenspannung greifen die Backen den Ring von außen — er sitzt in einer hinteren Stufe oder auf einem vorgedrehten Absatz, damit vorne Platz für die eigentliche Spannbohrung bleibt. Für die Innenspannung wird der Ring von innen gespannt, die Backen drücken nach außen. Wer öfter ausdreht, ist mit einer Backen-Ausdreh-Vorrichtung (BAV) oder einem Satz Ausdrehringe in gängigen Durchmessern gut bedient — ein einfacher gedrehter Ring aus der Restekiste erfüllt denselben Zweck.
Anleitung in fünf Schritten
Backen montieren und nummerieren
Verzahnung, Nut und Auflageflächen von Spänen und Öl reinigen. Backen in der gekennzeichneten Reihenfolge (1-2-3) auf die Grundbacken setzen und die Schrauben gleichmäßig anziehen. Backen und Futterposition dauerhaft markieren — nur so ist die Aufspannung später wiederholbar.
In Spannrichtung vorspannen
Einen Spannring oder eine Ausdrehscheibe so spannen, dass die Backen in dieselbe Richtung drücken wie später am Werkstück: für Außenspannung greift der Ring in einer hinteren Stufe von außen, für Innenspannung wird er von innen gespannt. Denselben Spanndruck einstellen, der später im Betrieb anliegt.
Spannfläche ausdrehen
Die Spanndurchmesser auf das Werkstück-Nennmaß ausdrehen. Das ist ein unterbrochener Schnitt über drei Backen — stabile Werkzeugauskragung, moderate Zustellung und zäher Schneidstoff zahlen sich aus. Zum Schluss mit feinem Vorschub schlichten.
Freistich an der Anschlagkante einstechen
In die Ecke zwischen Spannfläche und axialer Anlagefläche einen kleinen Freistich einstechen. Ohne Freistich liegt die Werkstückkante auf dem Restradius auf — das Teil sitzt schief und der Planlauf stimmt nicht.
Kontrolle vor dem ersten Teil
Spannring entnehmen, Werkstück mit Betriebs-Spanndruck spannen und Rund- und Planlauf mit der Messuhr prüfen. Passt das Ergebnis nicht, zuerst Spanndruck und Ringposition kontrollieren — dann erst nachdrehen.
Schnittwerte: Alu und Stahl im Vergleich
| Richtwert (Hartmetall) | Alu EN AW-2007 | Stahl 16MnCr5 (weich) |
|---|---|---|
| Schnittgeschwindigkeit vc | 250–400 m/min | 120–180 m/min |
| Vorschub f (Schruppen) | 0,1–0,2 mm/U | 0,1–0,2 mm/U |
| Vorschub f (Schlichten) | 0,05–0,1 mm/U | 0,05–0,1 mm/U |
| Zustellung ap | 0,3–1,0 mm | 0,2–0,5 mm |
Richtwerte für stabile Verhältnisse; je nach Maschine, Werkzeug und Auskragung anpassen. Beim unterbrochenen Schnitt lieber eine Stufe langsamer fahren als eine Schneide opfern.
Typische Fehler — und ihre Folgen
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Ohne Vorspannung oder mit falschem Spanndruck ausgedreht | Spiel von Spirale bzw. Keilstange liegt in der falschen Richtung an — der Rundlauf ist beim ersten Werkstück wieder weg. |
| Spannring an ungünstiger Position | Backen kippen beim Spannen leicht — die ausgedrehte Fläche wird kegelig statt zylindrisch. |
| Kein Freistich an der Anlagekante | Werkstückkante liegt auf dem Eckradius auf, das Teil sitzt nicht plan — Planlauffehler. |
| Verzahnung oder Auflage nicht gereinigt | Ein Span in der Verzahnung reicht, um die gesamte Ausdreh-Genauigkeit zu verlieren. |
| Backen später vertauscht oder umgesetzt | Jede Backe hat ihre Position. Nach dem Umsetzen stimmt der Rundlauf nicht mehr — neu ausdrehen. |
| Zu große Zustellung im unterbrochenen Schnitt | Vibrationen und Schneidenbruch; die Spannfläche wird rau und unrund. |
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Weiterlesen: Alu oder Stahl als Weichbacke? · FAQ Weichbacken
