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Weichbacken ausdrehen — Schritt für Schritt.

Anleitung aus der eigenen Fertigung: Vorspannung, Schnittwerte, Freistich — und die Fehler, die Rundlauf kosten.

Strobel Industry · Stand 08/2026 · Lesezeit ca. 8 min

Warum werden Weichbacken ausgedreht?

Weichbacken werden im gespannten Zustand direkt im Futter auf das Werkstückmaß ausgedreht. Die Spannfläche entsteht dadurch konzentrisch zur Spindelachse und trägt vollflächig am Umfang. Das Ergebnis: deutlich besserer Rundlauf als mit harten Standardbacken — je nach Sorgfalt sind etwa 0,005 bis 0,015 mm erreichbar — und eine schonende, verformungsarme Spannung.

Harte Standardbacken spannen auf Linien- oder Punktkontakt und übernehmen jede Ungenauigkeit der Backenführung. Die ausgedrehte Weichbacke umschließt das Werkstück dagegen formschlüssig auf dem exakten Durchmesser — deshalb ist sie das Mittel der Wahl für zweite Aufspannungen, dünnwandige Teile und alles, was ohne Spannmarken wieder aus dem Futter kommen soll.

Vorbereitung: Spannring und Vorspannung

Entscheidend ist, die Backen vor dem Ausdrehen in dieselbe Richtung vorzuspannen, in der sie später das Werkstück spannen — mit demselben Spanndruck. Dazu wird ein Spannring oder eine Ausdrehscheibe eingespannt. So ist das Umkehrspiel von Spirale oder Keilstange in Arbeitsrichtung herausgedrückt und die ausgedrehte Kontur stimmt auch unter Last.

Für die Außenspannung greifen die Backen den Ring von außen — er sitzt in einer hinteren Stufe oder auf einem vorgedrehten Absatz, damit vorne Platz für die eigentliche Spannbohrung bleibt. Für die Innenspannung wird der Ring von innen gespannt, die Backen drücken nach außen. Wer öfter ausdreht, ist mit einer Backen-Ausdreh-Vorrichtung (BAV) oder einem Satz Ausdrehringe in gängigen Durchmessern gut bedient — ein einfacher gedrehter Ring aus der Restekiste erfüllt denselben Zweck.

Anleitung in fünf Schritten

Aufsatzbacke wird auf die Grundbacke gesetzt, die Schrauben senken sich in die Senkbohrungen
Schritt 01 im Bild: Die Aufsatzbacke setzt auf die gereinigte Verzahnung der Grundbacke auf, die Schrauben ziehen sie gleichmäßig in die Senkbohrungen. Erst wenn die Verzahnung vollflächig trägt, hat das spätere Ausdrehen einen belastbaren Bezug.
01

Backen montieren und nummerieren

Verzahnung, Nut und Auflageflächen von Spänen und Öl reinigen. Backen in der gekennzeichneten Reihenfolge (1-2-3) auf die Grundbacken setzen und die Schrauben gleichmäßig anziehen. Backen und Futterposition dauerhaft markieren — nur so ist die Aufspannung später wiederholbar.

02

In Spannrichtung vorspannen

Einen Spannring oder eine Ausdrehscheibe so spannen, dass die Backen in dieselbe Richtung drücken wie später am Werkstück: für Außenspannung greift der Ring in einer hinteren Stufe von außen, für Innenspannung wird er von innen gespannt. Denselben Spanndruck einstellen, der später im Betrieb anliegt.

03

Spannfläche ausdrehen

Die Spanndurchmesser auf das Werkstück-Nennmaß ausdrehen. Das ist ein unterbrochener Schnitt über drei Backen — stabile Werkzeugauskragung, moderate Zustellung und zäher Schneidstoff zahlen sich aus. Zum Schluss mit feinem Vorschub schlichten.

04

Freistich an der Anschlagkante einstechen

In die Ecke zwischen Spannfläche und axialer Anlagefläche einen kleinen Freistich einstechen. Ohne Freistich liegt die Werkstückkante auf dem Restradius auf — das Teil sitzt schief und der Planlauf stimmt nicht.

05

Kontrolle vor dem ersten Teil

Spannring entnehmen, Werkstück mit Betriebs-Spanndruck spannen und Rund- und Planlauf mit der Messuhr prüfen. Passt das Ergebnis nicht, zuerst Spanndruck und Ringposition kontrollieren — dann erst nachdrehen.

Schnittwerte: Alu und Stahl im Vergleich

Das Ausdrehen ist ein unterbrochener Schnitt über drei Backen — Schnittwerte deshalb eher konservativ wählen. Für Aluminium (EN AW-2007) sind mit Hartmetall etwa 250–400 m/min üblich, für weichen Einsatzstahl (16MnCr5) etwa 120–180 m/min, jeweils mit feinem Vorschub um 0,05–0,15 mm/U beim Schlichten.
Richtwert (Hartmetall)Alu EN AW-2007Stahl 16MnCr5 (weich)
Schnittgeschwindigkeit vc250–400 m/min120–180 m/min
Vorschub f (Schruppen)0,1–0,2 mm/U0,1–0,2 mm/U
Vorschub f (Schlichten)0,05–0,1 mm/U0,05–0,1 mm/U
Zustellung ap0,3–1,0 mm0,2–0,5 mm

Richtwerte für stabile Verhältnisse; je nach Maschine, Werkzeug und Auskragung anpassen. Beim unterbrochenen Schnitt lieber eine Stufe langsamer fahren als eine Schneide opfern.

Typische Fehler — und ihre Folgen

FehlerFolge
Ohne Vorspannung oder mit falschem Spanndruck ausgedrehtSpiel von Spirale bzw. Keilstange liegt in der falschen Richtung an — der Rundlauf ist beim ersten Werkstück wieder weg.
Spannring an ungünstiger PositionBacken kippen beim Spannen leicht — die ausgedrehte Fläche wird kegelig statt zylindrisch.
Kein Freistich an der AnlagekanteWerkstückkante liegt auf dem Eckradius auf, das Teil sitzt nicht plan — Planlauffehler.
Verzahnung oder Auflage nicht gereinigtEin Span in der Verzahnung reicht, um die gesamte Ausdreh-Genauigkeit zu verlieren.
Backen später vertauscht oder umgesetztJede Backe hat ihre Position. Nach dem Umsetzen stimmt der Rundlauf nicht mehr — neu ausdrehen.
Zu große Zustellung im unterbrochenen SchnittVibrationen und Schneidenbruch; die Spannfläche wird rau und unrund.

Ausdrehen oder ausschleifen?

Ausdrehen ist der Normalfall: schnell, auf jeder Drehmaschine möglich und für die allermeisten Toleranzen ausreichend. Ausschleifen lohnt sich nur bei gehärteten Backen oder wenn höchste Rundlauf- und Oberflächenanforderungen es erzwingen — es braucht eine Schleifeinrichtung und deutlich mehr Zeit.

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