Warum werden Weichbacken ausgedreht?
Harte Backen spannen auf Linie oder Punkt und nehmen jede Ungenauigkeit der Backenführung mit. Die ausgedrehte Weichbacke legt sich dagegen auf dem exakten Durchmesser um das Teil. Deshalb greift man zu ihr bei der zweiten Aufspannung, bei dünnwandigen Teilen und immer dann, wenn das Werkstück ohne Spannmarken wieder aus dem Futter soll.
Vorbereitung: Spannring und Vorspannung
Für die Außenspannung greifen die Backen den Ring von außen. Er sitzt in einer hinteren Stufe oder auf einem vorgedrehten Absatz, damit vorne Platz für die eigentliche Spannbohrung bleibt. Für die Innenspannung wird der Ring von innen gespannt, die Backen drücken nach außen. Wer oft ausdreht, legt sich eine Backen-Ausdreh-Vorrichtung (BAV) oder einen Satz Ausdrehringe in den gängigen Durchmessern zu. Ein selbst gedrehter Ring aus der Restekiste tut es aber genauso.
Anleitung in fünf Schritten
Backen montieren und nummerieren
Erst putzen. Verzahnung, Nut und Auflage müssen frei von Spänen und Öl sein. Dann die Backen in ihrer Reihenfolge 1-2-3 auf die Grundbacken setzen und die Schrauben gleichmäßig anziehen. Backe und Futterplatz markieren. Wer sich das spart, dreht nach dem nächsten Backenwechsel alles noch einmal aus.
In Spannrichtung vorspannen
Der Spannring muss die Backen in die Richtung drücken, in die später auch das Werkstück drückt. Bei Außenspannung greift er von außen in eine hintere Stufe, bei Innenspannung wird er von innen gespannt. Und zwar mit dem Spanndruck, der nachher im Betrieb anliegt. Wer zum Ausdrehen fester spannt, hat hinterher ein anderes Maß.
Spannfläche ausdrehen
Auf das Nennmaß des Werkstücks ausdrehen. Das ist ein unterbrochener Schnitt über drei Backen, die Schneide bekommt pro Umdrehung drei Schläge ab. Also kurz auskragen, moderat zustellen, zähen Schneidstoff nehmen. Zum Schluss mit feinem Vorschub schlichten.
Freistich an der Anschlagkante einstechen
In die Ecke zwischen Spannfläche und Anlagefläche gehört ein kleiner Freistich. Fehlt er, liegt die Werkstückkante auf dem Restradius auf. Dann steht das Teil schief und der Planlauf ist hin.
Kontrolle vor dem ersten Teil
Spannring raus, Werkstück mit Betriebsdruck spannen, Messuhr dran und Rund- und Planlauf prüfen. Stimmt es nicht, liegt es meistens am Spanndruck oder an der Ringposition. Das zuerst kontrollieren, erst danach nachdrehen.
Schnittwerte: Alu und Stahl im Vergleich
| Richtwert (Hartmetall) | Alu EN AW-6082 | Stahl 16MnCr5 (weich) |
|---|---|---|
| Schnittgeschwindigkeit vc | 250–400 m/min | 120–180 m/min |
| Vorschub f (Schruppen) | 0,1–0,2 mm/U | 0,1–0,2 mm/U |
| Vorschub f (Schlichten) | 0,05–0,1 mm/U | 0,05–0,1 mm/U |
| Zustellung ap | 0,3–1,0 mm | 0,2–0,5 mm |
Richtwerte für stabile Verhältnisse; je nach Maschine, Werkzeug und Auskragung anpassen. Beim unterbrochenen Schnitt lieber eine Stufe langsamer fahren als eine Schneide opfern.
Was in der Praxis schiefgeht
| Fehler | Folge |
|---|---|
| Ohne Vorspannung oder mit falschem Spanndruck ausgedreht | Das Spiel von Spirale oder Keilstange liegt in der falschen Richtung an. Beim ersten Werkstück ist der Rundlauf wieder weg. |
| Spannring an ungünstiger Position | Die Backen kippen beim Spannen ein wenig. Die Fläche wird kegelig statt zylindrisch. |
| Kein Freistich an der Anlagekante | Die Werkstückkante liegt auf dem Eckradius auf. Das Teil sitzt nicht plan, der Planlauf stimmt nicht. |
| Verzahnung oder Auflage nicht gereinigt | Ein einziger Span in der Verzahnung reicht, und die ganze Ausdreharbeit war umsonst. |
| Backen später vertauscht oder umgesetzt | Jede Backe hat ihren Platz. Wer sie umsetzt, dreht neu aus. |
| Zu große Zustellung im unterbrochenen Schnitt | Es rattert, die Schneide bricht, und die Spannfläche wird rau und unrund. |
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Weiterlesen: Alu oder Stahl als Weichbacke? · FAQ Weichbacken
