FAQ. 25 Fragen, 25 Antworten.
Die Fragen, die in Werkstattforen wirklich gestellt werden, beantwortet aus unserer täglichen Fertigungspraxis.
Grundlagen
Was ist eine Weichbacke?
Eine Weichbacke ist eine ungehärtete Aufsatzbacke für ein Drehfutter. Sie wird auf die Grundbacke geschraubt und auf der Maschine passgenau auf den Durchmesser des Werkstücks ausgedreht. Dadurch liegt sie vollflächig an: besserer Rundlauf, geringere Flächenpressung, keine Spannmarken. Harte Backen sind dagegen gehärtet und spannen unbearbeitete Rohteile.
Andere gebräuchliche Bezeichnungen für dasselbe Bauteil sind weiche Spannbacken, weiche Aufsatzbacken oder Backenrohlinge. Segmentbacken sind eine Sonderform mit Kreissegment-Kontur (3 × 120°) und deutlich größerer Anlagefläche.
Wie viele Backen sind in einem Satz, und kann ich einzelne kaufen?
Ein Satz besteht aus drei Backen, passend zum Dreibackenfutter. Wir verkaufen ausschließlich Sätze, alle Preise verstehen sich je Satz. Der Grund ist fachlich: Die drei Backen eines Satzes werden gemeinsam ausgedreht und behalten ihre Position im Futter. Eine einzeln nachgekaufte Backe zerstört den Rundlauf.
Nutensteine und Befestigungsschrauben sind nicht im Lieferumfang enthalten, weil sie am Futter verbleiben. Beides gibt es als Zubehör im Shop: Nutensteine einzeln (einen je Backe) und Backenschrauben als 6er-Satz. Die Länge ist gleich der Backenhöhe.
Was kostet ein Satz Weichbacken?
Weiche Aufsatzbacken kosten zwischen 31,90 und 96,90 € netto je Satz, abhängig von Größenklasse und Backenhöhe; Backenrohlinge und Segmentbacken liegen darüber. Ab drei Sätzen gibt es 5 % Rabatt, ab fünf Sätzen 10 %, ab zehn Sätzen 15 %. Versandkosten beginnen bei 8,90 € netto; ab 199 € netto Bestellwert liefern wir versandkostenfrei.
Der Preis je Artikel steht direkt auf der Produktseite, die Staffelpreise erscheinen dort nach Auswahl der Backenhöhe. Wir fertigen selbst und verkaufen direkt, es gibt also keinen Händleraufschlag und keine Mindestbestellmenge.
Kauf & Kompatibilität
Welche Backen passen auf mein Futter?
Entscheidend sind drei Merkmale der Grundbacke: die Verzahnung (z. B. 1,5×60° oder 1/16″×90°), die Nutbreite und der Lochabstand der Befestigungsschrauben. Stimmen diese drei Werte, passt die Aufsatzbacke, unabhängig vom Futterhersteller. Deshalb sortieren wir unser Sortiment nach Verzahnung und Nut, nicht nach Markennamen.
Die Werte stehen im Datenblatt Ihres Futters oder lassen sich an der Grundbacke nachmessen: Verzahnung mit dem Messschieber über zehn Teilungen (erste bis elfte Zahnspitze), Nutbreite direkt, Lochabstand von Mitte zu Mitte. Bei jedem Artikel listen wir die kompatiblen Futtertypen. Im Zweifel genügt eine kurze Nachricht mit Futterbezeichnung an uns.
Welche weichen Backen sind empfehlenswert?
Empfehlenswert ist, was zur Aufgabe passt: für die meisten Dreharbeiten ein Satz weicher Aufsatzbacken in Aluminium in der niedrigsten Höhe, die Ihr Werkstück zulässt. Wichtiger als die Marke sind passende Verzahnung, saubere Fertigung der Anlageflächen und eine frei wählbare Backenhöhe.
Hohe Backen bieten mehr Ausdreh-Reserve, bauen aber mehr Masse und Hebel auf. Wer selten wechselt, nimmt höhere Backen und dreht öfter nach; wer viele verschiedene Teile fährt, fährt mit mehreren günstigen Alu-Sätzen besser.
Grundbacken, Aufsatzbacken, Blockbacken: was ist der Unterschied, und was heißt hart und weich?
Grundbacken sitzen im Futter und werden von Spirale oder Keilstange bewegt. Aufsatzbacken werden auf die Grundbacken geschraubt und sind das Wechselteil. Blockbacken sind einteilige Backen, die Grund- und Aufsatzbacke kombinieren. Harte Backen sind gehärtet und spannen Rohteile; weiche Backen bleiben ungehärtet und werden passend zum Werkstück ausgedreht.
Schonbacken für empfindliche Oberflächen: was nehmen?
Erste Wahl ist eine sauber ausgedrehte Alu-Weichbacke: Sie umschließt das Werkstück vollflächig auf dem exakten Durchmesser, dadurch sinkt die Flächenpressung und Spannmarken bleiben aus. Bei extrem empfindlichen oder bereits fertig bearbeiteten Oberflächen helfen zusätzlich größere Anlageflächen, also Segmentbacken, oder reduzierter Spanndruck.
Material & Standzeit
Alu oder Stahl als Weichbacken-Material?
Fachlich gilt: Aluminium ist für die meisten Anwendungen die bessere Wahl. Rund ein Drittel des Gewichts, schneller ausgedreht, werkstückschonend und günstiger. Stahl lohnt sich bei hohen Spannkräften, schwerer Zerspanung und abrasiven Werkstücken. Im Shop liefern wir derzeit ausschließlich Aluminium; die Stahl-Ausführung ist in Vorbereitung. Bei Bedarf melden Sie sich kurz bei uns.
Den ausführlichen Vergleich mit Tabelle finden Sie im Ratgeber-Artikel „Alu oder Stahl als Weichbacke?“. Für Stahlbacken genügt eine kurze Nachricht über das Kontaktformular mit Futterbezeichnung und Stückzahl.
Weichbacken selbst fräsen: welches Material nehmen?
Bewährt ist EN AW-6082 (AlMgSi1), die verbreitetste Aluminiumlegierung in der CNC-Bearbeitung: gut zerspanbar, als aushärtbare Legierung deutlich fester als reines Aluminium, korrosionsbeständig und eloxierbar. Für Stahlbacken 16MnCr5, der sich bei Bedarf später einsatzhärten lässt. Auch Werkzeugstähle wie 1.2842 werden verwendet, sind aber teurer in der Zerspanung. Wichtiger als die Legierung: spannungsarmes Material und saubere, rechtwinklige Anlageflächen.
EN AW-6082 ist auch der Werkstoff unserer eigenen Backen. Wer nicht selbst fräsen will, findet den fertigen Alu-Satz im Shop, Versand in 3–5 Werktagen.
Wie oft sind Weichbacken nachdrehbar, und welche Standzeit haben Alu und Stahl?
Nachgedreht werden kann, bis die Ausdreh-Reserve der Backenhöhe aufgebraucht ist, je nach Höhe und Zustellung viele Male. Alu verschleißt an der Spannkante schneller, ist dafür in Minuten nachgedreht. Stahl hält die Spannfläche deutlich länger, kostet beim Nachdrehen aber mehr Zeit. Eine pauschale Zyklenzahl wäre unseriös, sie hängt von Werkstück und Spanndruck ab.
Ausdrehen & Praxis
Mit welchem Drehmoment ziehe ich die Backenschrauben an?
Es gilt die Angabe in der Betriebsanleitung Ihres Futters. Die Werte gehen zwischen den Herstellern weit auseinander. Als Größenordnung nennt Kitagawa für Innensechskantschrauben 73 Nm bei M10 und 107 Nm bei M12. Immer mit dem Drehmomentschlüssel, über Kreuz und gleichmäßig anziehen. Mit dem Sechskantschlüssel nach Gefühl geht es nicht.
Allgemeine Schraubentabellen für Festigkeitsklasse 12.9 rechnen für M12 rund 160 Nm aus. Das ist der Wert für eine Schraubverbindung an der Streckgrenze, nicht für eine Backenbefestigung. Wer danach anzieht, reißt eher das Gewinde in der Grundbacke, als dass er sicherer spannt. Deshalb gilt das Futterhandbuch und nicht die Normtabelle. Zu locker ist genauso gefährlich: Dann wandert die Backe unter Schnittkraft aus der Verzahnung.
Bis zu welcher Drehzahl darf ich Aluminium-Weichbacken fahren?
Die Maximaldrehzahl auf dem Typenschild Ihres Futters gilt für die Standardbacke des Futterherstellers. Jede andere Backe verändert Masse und Schwerpunktlage und damit die Fliehkraft, höher gebaute Backen deutlich. Aluminium arbeitet dabei für Sie: Es wiegt rund ein Drittel von Stahl, die Fliehkraft fällt entsprechend kleiner aus.
Die Grenze ist so definiert: Zulässig ist die Drehzahl, bei der die dynamische Spannkraft noch etwa ein Drittel der statischen beträgt. Was darüber liegt, hängt an Backenhöhe, Spanndurchmesser und Spanndruck. Das rechnet der Futterhersteller in seinen Kurven vor, und nur er kann es für Ihre Kombination verbindlich sagen. Fragen Sie im Zweifel dort nach, bevor Sie hochdrehen.
Wie drehe ich weiche Backen richtig aus?
Backen montieren und nummerieren, dann einen Spannring mit Betriebs-Spanndruck in Spannrichtung spannen, die Spannfläche auf das Werkstück-Nennmaß ausdrehen, Freistich an der Anlagekante einstechen und den Rundlauf mit der Messuhr prüfen. Entscheidend sind die Vorspannung in Arbeitsrichtung und derselbe Spanndruck wie später im Betrieb.
Die komplette Anleitung mit Schnittwerten und Fehlertabelle steht im Ratgeber „Weichbacken ausdrehen, Schritt für Schritt“.
Weiche Backen für Innenspannung ausdrehen: wie geht das?
Bei Innenspannung drücken die Backen von innen nach außen. Zum Ausdrehen wird deshalb ein Ring von innen gespannt: Er sitzt um die Backen herum, die Backen drücken nach außen gegen ihn. Dann wird die äußere Spannkontur auf das Bohrungsmaß des Werkstücks gedreht, wieder mit dem Spanndruck, der später anliegt.
Ausdrehen oder Ausschleifen von Aufsatzbacken?
Ausdrehen ist der Normalfall: auf jeder Drehmaschine möglich, schnell und für übliche Toleranzen völlig ausreichend. Ausschleifen braucht eine Schleifeinrichtung und deutlich mehr Zeit. Es lohnt sich nur bei gehärteten Backen oder wenn höchste Anforderungen an Rundlauf und Oberfläche der Spannfläche bestehen.
Mit welchem Spanndruck ausdrehen, und warum in Spannrichtung vorspannen?
Mit genau dem Spanndruck, der später im Betrieb anliegt. Spirale, Keilstangen und Führungen haben Spiel und federn unter Last; erst unter Betriebsdruck stehen die Backen in ihrer tatsächlichen Arbeitsposition. Wer drucklos oder in Gegenrichtung ausdreht, verschenkt die gesamte Genauigkeit. Der Rundlauf ist beim ersten gespannten Teil wieder weg.
Braucht man eine Backen-Ausdreh-Vorrichtung (BAV)?
Nein. Nötig ist nur, dass die Backen beim Ausdrehen in Spannrichtung unter Betriebsdruck stehen. Das leistet auch ein einfacher gedrehter Ring oder eine Ausdrehscheibe aus der Restekiste. Eine BAV macht die Sache komfortabler und wiederholbarer, wenn häufig ausgedreht wird. Für gelegentliches Ausdrehen reicht der Ring völlig.
Bestellung & Lieferung
Wie schnell ist ein Backensatz lieferbar?
Jede Bestellung geht innerhalb von 3–5 Werktagen bei uns raus, direkt aus der eigenen Fertigung. Dazu kommt die Laufzeit von DHL oder UPS.
Versandkosten, Freigrenze und Liefergebiete finden Sie auf der Seite „Versand & Zahlung“.
Ich brauche ein Sondermaß: wie bestelle ich das?
Sondermaße laufen über den Konfigurator: Dort wählen Sie Verzahnung, Nut, Höhe und Werkstoff, und die Maße bleiben in unserem Fertigungsraster. Bis er online ist, nimmt das Anfrageformular auf der Konfigurator-Seite Ihr Sondermaß strukturiert an (Futter, Wunschmaß, Material), und Sie erhalten innerhalb eines Werktags Preis und Liefertermin.
Individuell konfigurierte Sondermaße sind vom Widerrufsrecht ausgenommen (§ 312g Abs. 2 Nr. 1 BGB); das Standard-Sortiment ist regulär widerrufbar.
Nutensteine & Schrauben
Wie viele Nutensteine und Schrauben brauche ich?
Je Backe zwei Schrauben und einen Nutenstein. Der Stein trägt beide Gewinde im Lochabstand der Backe. Für einen kompletten 3-Backen-Satz also drei Nutensteine und ein 6er-Schraubensatz.
Welche Schraubenlänge passt zu meiner Backe?
Länge gleich Backenhöhe: Eine 60 mm hohe Backe braucht L 60, eine 100er L 100. Der Grund ist die genormte Senktiefe unserer Backen. Bei dieser Länge greift die Schraube exakt um die Senktiefe im vergüteten Nutenstein, ohne unten anzustoßen.
Passen die Nutensteine auch auf Futter anderer Hersteller?
Ja, wenn Nutbreite und Schraubengewinde stimmen. Das Raster entspricht Kitagawa B206–B212 und passt damit auch auf zahlreiche Futter von Röhm, Schunk oder Samchully mit gleicher Nut. Maßgeblich sind immer Nutbreite und Gewinde Ihrer Grundbacke.
Genauigkeit & Spezialfälle
Welche Rundlaufgenauigkeit ist mit Weichbacken erreichbar?
Sorgfältig ausgedrehte Weichbacken erreichen typisch 5 bis 15 µm Rundlauf, deutlich besser als harte Standardbacken. Voraussetzungen: saubere Verzahnung, Vorspannung mit Betriebs-Spanndruck, Ausdrehen in der Aufspannung, in der später gefertigt wird, und keine Positionswechsel der Backen danach. Ein gut gewartetes Futter ist die Grundlage.
Wann Segmentbacken statt normaler Weichbacken?
Segmentbacken vergrößern die Anlagefläche auf einen Großteil des Umfangs. Das verteilt die Spannkraft und reduziert die Punktbelastung, ideal für dünnwandige Ringe, Büchsen und Gehäuse, die unter drei schmalen Backen oval würden. Für kompakte, steife Werkstücke reichen normale Aufsatzbacken; Segmentbacken sind das Werkzeug für verformungsempfindliche Teile.
Wie spanne ich dünnwandige, verzugsempfindliche Teile ohne Verformung?
Anlagefläche maximieren und Spanndruck minimieren: exakt auf Nennmaß ausgedrehte Weichbacken, möglichst als Segmentbacken, dazu reduzierter Spanndruck und Spannen nahe der Einspannebene. Hilfreich sind außerdem das Abstützen über die Planfläche und das Fertigdrehen in einer Aufspannung, damit sich gelöste Spannungen nicht in der zweiten Aufspannung zeigen.
Frage nicht dabei?
Schreiben Sie uns, es antwortet jemand, der selbst an der Maschine steht.
